Ein Verein im Wandel der Zeit ...

Erstaufführung des Historischen Wagnertanzes 1949
Erstaufführung des Historischen Wagnertanzes 1949

   

1949  Eine Zeit die geprägt war vom Wiederaufbau. Eine Zeit voller Angst um verschwundene Verwandte und Freunde. Also nicht gerade der richtige Zeitpunkt zur Gründung eines neuen Vereines. Für viele der damals teilnehmenden Tanzpaare bedeutete es mit Sicherheit Abwechslung und die Möglichkeit schneller zu vergessen.

Der historische Wagnertanz Bad Windsheim

 

Historische Quellen

Der Tanz der Windsheimer Wagnergesellen gehörte zu den priviligierten Zunfttänzen, wie sie im Mittelalter und im ausgehenden Mittelalter in vielen deutschen Städten gang und gäbe waren. Über das Ursprungsjahr schweigt die Chronik. Doch findet bereits für das Jahr 1560 der Wagnertanz in den reichsstädtischen Ratsakten Erwähnung. Einen weiteren Beleg bringt 1616 die handgeschriebene Chronik von Manasse Flentsch: „Am Aschermittwoch haben die Schreinergesellen den Wagnertanz, weil kein Gesell dieses Handwerks allhier war, gehalten.“ Es war also offensichtlich die gewohnte Abhaltung, da selbstverständlich, nicht chronikwürdig. Aber das Kuriosum, dass der Wagnertanz von den Schreinergesellen aufgeführt wurde, hielt Manasse Flentsch fest. Nicht überliefert, zumindest nicht erforscht, ist der Zeitpunkt bis zu welchem der Zunfttanz in der Reichsstadt lebendig blieb.

Die Idee zum Festspiel „Der Wagnertanz“ wird geboren

Der Verfasser des Festspiels Hermann Delp
Der Verfasser des Festspiels Hermann Delp

Bei stadtgeschichtlichen Studien stieß der Verleger der „Windsheimer Zeitung“, Hermann Delp (1890 – 1973), auf Quellen, die für das 16. Jahrhundert in der Reichsstadt Zunfttänze belegen. Auch ein Tanz der Wagner war genannt. Hermann Delp fesselte dieser Fund. Er suchte weiter. Doch leider fand sich keine Schilderung des Ablaufs dieses Zunfttanzes.

Wann genau der Verfasser den Plan fasste, den Zunfttanz der Wagner als Vorlage für ein Spiel zu wählen, ist nicht bekannt. 1947 machte er sich jedenfalls ans Schreiben. Zunächst für sich, ohne darüber auch nur mit der Familie zu sprechen.

Bezeichnend für Hermann Delp scheint zu sein, dass er das Motiv für sein Spiel aus der bürgerschaftlichen Tradition der Reichsstadt wählte und keine militärische Aktion gegen diese Stadt und deren Bürger zur Handlung nahm. Sicher war es auch die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, die seine Vorstellungen von bürgerlicher Verantwortung, von Gemeinnutz und dem Willen zu gemeinschaftlichem Handeln schärfte. Wer die Sprechrollen vernimmt oder liest, kann dieses Manifest bürgerschaftlicher Gesinnung immer wieder heraushören.

Zur Kirchweih im Heimatfest 1949 war es dann soweit. Das historische Festspiel „Der Wagnertanz“ wurde zum ersten Mal öffentlich aufgeführt und stieß bei der Bevölkerung und den Gästen zum Heimatfest auf ein lebhaftes Echo. Gleichrangig zum historischen Spiel gesellten sich Musik und Tanz. Eine glückliche Verbindung von Festspiel und musikalisch-choreographischer Umrahmung war gelungen.

Spielszene aus dem Jahre 1949
Spielszene aus dem Jahre 1949

Der Spielmanns- und Fanfarenzug

Bereits an der Erstaufführung des Festspiels zur Kirchweih 1949 wirkten Trommler und Pfeifer sowie eine Gruppe von Fanfarenbläsern mit. Die Premiere wurde somit auch zur Geburtsstunde des bald weit und breit bekannten Spielmanns- und Fanfarenzugs.
Es blieb bis auf den heutigen Tag eine gute Tradition, dass die Gesamtaufführungen des Wagnertanzes vom Spielmanns- und Fanfarenzug angeführt und umrahmt werden. Dieser bietet heute selbständig auf nationaler und internationaler Ebene seine Musik dar und konnte auch schon große Erfolge verzeichnen. Traditionelle Marschmusik sowie moderne Literatur im Spielmannszugsound gehören zu seinem heutigen Repertoire. Neben der Gesamtaufführung des Festspiels „Der historische Wagnertanz“, sind unzählige Auftritte im In- und Ausland üblich geworden. Bei vielen Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene kann die Truppe schon große Erfolge verzeichnen. Außerdem ist er Mitglied im Landesverband für Spielmannswesen Bayern e.V.

VEREINSCHRONIK

1947

Der Verleger der Windsheimer Zeitung Hermann Delp (1890-1973) schrieb das Festspiel

„Der historische Wagnertanz“

 

1949   

Gründung der Wagnertanzgilde und des Spielmannszuges.

Die Wagnertanzgilde besteht aus 18 Paaren. Dem Spielmannszug gehören ca. 12 Pfeifer

und 10 Trommler an, Stabführer war Rudolf Beuschel.

An der Kirchweih mit Heimatfest wurde das Festspiel erstmalig aufgeführt.

 

 

1970   

Angliederung eines Fanfarenzuges.

 

1973

Gründung eines selbständigen Vereins. Vorsitzender wird Alois Bromma

 

 

1975   

zur Kirchweihaufführung des Wagnertanzes trägt der Spielmanns- und Fanfarenzug seine jetzigen, nach historischen Vorlagen entworfenen Kostümen.

 

1976

Beitritt des Spielmanns- und Fanfarenzuges zum Landesverband für Spielmannswesen in Bayern e.V. und Teilnahme an der 1. Bayerischen Meisterschaft.

 

 

1977
unternahmen die Spielleute ihre erste Auslandsfahrt. Sie fuhren
für drei Tage zu einem Musikfest nach Groß-Reifling in Österreich. Im September, bei der 2. Landesmeisterschaft in Lauf, wurde der Spielmannszug in der Klasse 1 (Pfeifer und Trommler) erster
und somit Landesmeister.

1978

bei der 3. Bayerischen Landesmeisterschaft in Furth im Wald konnte der Fanfarenzug in der Klasse 4 den zweiten Platz erreichen. Im gleichen Jahr nahm der Spielmanns- und Fanfarenzug auch an einem Wettstreit des Fanfarencorps "Schwarz-Weiß" Rheinhausen
teil und belegte in der gemischten Klasse den 3. Platz.

1979

Der Spielmanns- und Fanfarenzug zählt 68 Musiker, weitere 20 sind in der Ausbildung.
In den letzten Jahren wurde versucht, durch Notenlehre, mehrstimmiges Spielen, durch den Einsatz von Tenorflöten und mehren Lyras das Klangvolumen zu verbessern.
Der Gesamtverein feiert sein 30-jähriges Jubiläum.

An der 3-tägigen Feier wirkten
über 20 befreundete Spielmanns-, Fanfaren- und Musikzüge mit.
Bei der Bayerischen Meisterschaft in Schimborn belegte der Spielmannszug in der Fanfarenklasse den 2.Platz. Im Herbst nahmen die Spielleute am Oktoberfestzug in München teil.
 

1980

wurde bei einem Wertungsspiel in Rheinhausen bei Duisburg der
3. Platz in der Orchesterklasse belegt.

 

1981

In diesem Jahr wurde für den Spielmannszug die Bayerischen Meisterschaft in Retzbach/Zellingen ein großer Erfolg. Es wurde der 3. Platz in der Fanfarenklasse und der 1. Platz in der Spielmannszugklasse erreicht.
Ein weiteres Highlight war der 3-Tages-Einsatz in der österreichischen Stadt Villach/Kärnten.
Sepp Schunk, Initiator und Gründer des Historischen Festspiels "Der Wagnertanz" und Gründungsmitglied Max Koch gehen von uns.

1982

wurden die Fanfarenbläser zusätzlich mit Jagdhörnern ausgerüstet,   um mehr Abwechslung bei Standkonzerten zu bieten.

1983

Bei einem Wettstreit in Rheinhausen erspielten sich sie Windsheimer Spielleute einen 1. Platz in der gemischten Klasse und   einen 2. Platz in der Fanfarenklasse.

1984

war der interessanteste Auftritt ein Standkonzert in Kufstein/Österreich.

1985

Bein Internationalen Musikzugtreffen in Wolfsburg - Vorsfelde erreichte der Fanfarenzug in seiner Klasse den 1. Platz, der Spielmannszug den 3. Platz und in der gemischten Klasse
wurde der 2. Platz erspielt.
Beim Kreisentscheid des Wettbewerbs "Jugend musiziert" konnte die Jugendauswahl den 1. Platz erreichen. Den 2. Platz gewann man beim Bezirksentscheid.

1986

nahm der Spielmannszug an der Bayerischen Meisterschaft in Lauf   teil und belegte in der Klasse 1 den 2. Platz.
Ende Mai fuhren die Spielleute für 4 Tage nach Schleswig-Holstein   mit Auftritten in Kiel, Grömitz und Malente.

1987

waren die schönsten Einsätze in Baden bei Wien, sowie in Wien.

1988

nahm der Zug am Bürgerfest in Rosenheim teil.

1989

war unter vielen Auftritten, wie Lauingen, Bad Soden im Taunus, Esslingen, Hückelhofen im Rheinland, der interessanteste bei unserer heutigen Partnerstadt in Erkelenz.
   

1990

Anlässlich des Museumsfestes im Freilandmuseum machte der "Deutschlandfunk" auch Aufnahmen vom Spielmannszug.
Herausragend war die Beteiligung am internationalen Folklore-Festival in Brünn/Tschechoslowakei vom 12.04.- 16.04.1990.
Heinrich Keller tritt die Nachfolge von Helmut Rösler als Leiter des Spielmannszuges an.

1991

Neben den zahlreichen Einsätzen, wie zur 1250-Jahr-Feier in Bad Windsheim, unternahm der Zug einen Ausflug nach Bochum zum Musikal "Starlight Express", sowie im Herbst eine Floßfahrt auf dem Main.
Alois Bromma tritt als Gildenmeister zurück. Zum kommisarischen Nachfolger wurde Helmut Rösler ernannt.

1992

Die Wagnertanzgilde hat gewählt. Am 21.03.1992 wird Udo Heubusch zum ersten Vorsitzenden ernannt, und löst somit Reinhold Wenig ab. Helmut Rösler wird offiziell zum Gildenmeister gewählt.
Eine viertägige Tournee nach Este/Italien ist das große Highlight dieses Jahres.

 

1993

Otto Angel wird zum Ehrenmitglied ernannt. Als "Altgeselle" war er bereits bei der Wagnertanzpremiere 1949 dabei.
Der Spielmannszug beteiligt sich an der 11. Bayerischen Meisterschaft in Neubrunn und erreichte hier einen 3. sowie einen 8. Platz.
Beim internationalen Folklorefestival in Tournai/Belgien vertritt der Spielmannszug 5 Tage lang die Farben der Stadt Bad Windsheim.
Ein neues Domizil in der Rothenburger Straße 22 wird bezogen, in mühevoller Arbeit renoviert und mit einem kleinen Festakt feierlich seiner Bestimmung übergeben.

1994

durch die Anschaffung neuer Trommeln und verschiedener Rythmusinstrumente können nun auch moderne und brasilianische Musikstücke gespielt werden.

1995

Die ehemalige Ochsenhof-Turnhalle kommt zum ersten mal ins Gespräch. Dieses historische Gebäude wäre das ideale Vereinsgebäude für die Wagnertanzgilde.
Der Spielmannszug organisiert die Feier "700 Jahre Reichsstadt". 10 farbenfrohe Spielmannszüge sorgen für Stimmung in der Stadt.
Die Windsheimer Spielleute werden Bayerischer Vizemeister in der Fanfarenklasse anlässlich der 12. Meisterschaften in Rosenheim.

1996

Ludwig Mayer scheidet nach über 30 Jahren als "Altbürgermeister" aus der Wagnertanzgilde aus.
Die Wagnertanzgilde mit Spielmannszug wird als "Eingetragener Verein" anerkannt.
Als einziger deutscher Vertreter nimmt der Spielmannszug am 50. Internationalen Folklore-Festival in Dijon/Frankreich teil.
 

1997

Die Fanfarengruppe verteidigt ihren 2. Platz und wird in Lauf erneut Bayerischer Vizemeister.
Außerdem wurde ein 4. Platz in der Klasse "Spielmannszüge gemischt", sowie ein 5. Platz in der "Flötenklassse" erspielt.
Ihre bisher weiteste Auslandsfahrt führt den Spielmannszug in die Hohe Tatra in der Slowakei

1998

weilt der Spielmannszug in der Bad Windsheimer Partnerstadt
St.-Yrieix-La-Perche.
Die Vorbereitungen für das 50. jährige Jubiläum laufen auf Hochturen. Es werden Ausschüsse gebildet, Planungen erstellt und erste Vorbereitungen getroffen.
Gleichzeitig beginnt der Umbau der ehem. Ochsenhof-Turnhalle zur „Zunfthalle am Ochsenhof"

1999

Das große Jahr des Jubiläums. Die Wagnertanzgilde mit Spielmannszug 1560 Bad Windsheim e.V. begeht ihr 50. jähriges Gründungsfest.
Die 14. bayerischen Landesmeisterschaften des LSW Bayern finden zum ersten Mal in Bad Windsheim statt.

 

2002

Feierliche Einweihung des neuen Vereinsheims der „Zunfthalle am Ochsenhof“

 

2009

60-jähriges Vereinsjubiläum mit einer Sonderausstellung im Reichsstadtmuseum im Ochsenhof. Der Gesamtverein besteht jetzt aus 265 aktiven und passiven Mitgliedern.

 

Ab dem Beginn einer Vereinsführung wurde die Wagnertanzgilde und der Spielmanns- und Fanfarenzug von diesen Vorsitzenden geleitet:

1973 - 1980            Alois Bromma

1980 - 1982            Günther Kareth

1982 - 1992            Reinhold Wenig

1992 -                     Udo Heubusch

 

 

Stabführung des Spielmanns- und Fanfarenzuges

 

1949    Rudolf Beuschel

1955    Heinrich Büttner

1956    Günter Kleinwächter

1957    Konrad Pflug

1959    Helmut Rösler

1994    Stabführung: Uwe Heubusch, 

            musikalische Leitung: Heinrich Keller    

            Ehrenstabführer: Helmut Rösler

2003    Stabführung: Anja Dehner,

            musikalische Leitung: Wolfgang Hauser

2008    Stabführung: Elke Fein,

            musikalische Leitung: Wolfgang Hauser

2009    Stabführung: Bettina Helm,

            musikalische Leitung: Wolfgang Hauser

2012    Philipp Gröbel

Bilder aus den letzten sechs Jahrzehnten